"Bei mir bis Du scheen"

MENGEN-RULFINGEN (kf)- Am Samstag fand in der Alten Kirche in Rulfingen die erste Veranstaltung im neuen Winterprogramm des Kulturforums statt. Eine Reise "In 80 Liedern um die Welt" war angekündigt. Die wurde es zwar nicht, dafür aber ein Trip in die Welt hervorragender Musik. "Fidelzardo" begeisterte das Publikum - und das unabhängig vom Alter. (...) So mancher Besucher hatte sich wohl auf etwas mehr Folklore eingestellt, doch die eventuelle Enttäuschung machte einem besonderen Erlebnis Platz: wer noch nie etwas mit Jazz am Hut hatte, der bekam jetzt ein neues Feeling ins Ohr. Was die beiden Gitarristen David Plate und Vladislav Vachtchenko, Bassist Uli Fiedler und Edzard Model an der Geige da so an Musikalität versprühten, das mußte anstecken wie ein Grippevirus. Der Unterschied: dieser Grippevirus vermittelt Lebensfreude und Musikalität gleichzeitig, und er hat noch eine Steigerung: die Stimme von "The Voice" Anke Held. Was die zierliche Person ins Mikrofon entließ, das war schon erstaunlich. Die musikalische Weltreise startete in Ungarn, machte aber beim Gitarrensolo des zweiten Stückes schon deutlich, wohin die Reise gehen wird: in die Welt des Jazz. Ihren ersten Part hatte die Sängerin Anke Held bei einer spanischen Liebesromanze. Das Lied ohne Text machte deutlich, daß Jazz den Ausdruck in sich selbst hat, gar nicht unbedingt geschriebene Zeilen dazu braucht. Ein toller Geiger Edzard Model, die begeisternden Soli vom "Mann aus Sibirien" Vladislav Vachtchenko an der Gitarre und die präzisen Bassläufe machten Chick Coreas "Spain" zu einem Erlebnis. Die ausgeklügelte Phrasierung von Anke Held, die fast zungenbrecherisch interpretierte, war das Sahnehäubchen. Lateinamerika, Irland und Rußland waren weitere Stationen der Reise und die Eigenkompositionen machten deutlich: "Fidelzardo" kann nicht nur interpretieren, diese Gruppe kann auch komponieren. Dazu gehörte auch ein "Eastern", ein Song des Russen Vachtchenko ganz im Stile der Country-music. Das beim "Weissen Walzer" von David Plate dann getanzt wurde: Ein Novum in der Alten Kirche, aber warum nicht ? Fast "aus dem Häuschen" geriet dann das Publikum bei Duke Ellingtons "It dont mean a thing". So einen Klassiker kennt halt jeder, und man tut gut daran, damit den Schlußpunkt eines Konzertes zu setzen. Ohne Zugabe wurde "Fidelzardo" jedoch nicht vom begeisterten Publikum entlassen. "Bei mir bis du scheen", das war nicht nur ein Evergreen, es war auch die Definition für diesen Konzertabend. Die als "Pophymne" angekündigte Eigenkomposition "The world seems to be pride" , war für die Musiker aus Köln die zweite "Welturaufführung, und das keine schlechte.

Karlheinz Fahlbusch (SZ)

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